FÜR DICH: Meine Checkliste "In 10 Schritten ready für die Bühne“

Lampenfieber überwinden: 3 clevere Tricks

Frau, die vor lauter Lampenfieber im Bett das weisse Laken bis unter die Augen hochzieht und sich versteckt

Es gibt nur wenige Leute, die sich vollkommen ohne Lampenfieber auf eine Bühne begeben. Und ehrlich gesagt, sind mir die leicht suspekt. ☺️ Denn Lampenfieber – so furchtbar es sich auch anfühlt – hat auch seine guten Seiten. Aber dazu später mehr. Erst einmal schauen wir uns an, was du tun kannst, um dieses Gefühl von Hilflosigkeit, Ausgeliefert-Sein, Fliehen-Wollen und Sich-selbst-infrage-Stellen so zu handhaben, dass es dich nicht daran hindert, eine gute Performance abzuliefern. Wir besprechen ebenfalls, wie du deinen Auftritt trotz Lampenfieber geniessen kannst.

Deine Vorbereitung – Lampenfieber entkräften

Vielleicht kommt dir das jetzt ganz offensichtlich vor, aber ich will es trotzdem hier erwähnen. Ich sehe nämlich immer wieder, wie oft es passiert, dass dieser Aspekt vergessen geht oder heruntergespielt wird: Du kannst dein Lampenfieber ganz klar dadurch beeinflussen, dass du dich gut auf deinen Auftritt vorbereitest. Sich gut auf einen Auftritt vorzubereiten heisst nicht einfach, dass du den Text des Songs auswendig kannst und weisst, wie die Melodie geht. Es gehören noch viele weitere Dinge dazu, die viel dazu beitragen, dass du dich auf der Bühne sicher und kompetent fühlst. Das Ziel der Vorbereitung ist, dass du ganz genau weisst, was du wann wie zu tun hast. (Über das Thema Spontaneität und wie das immer wieder mit «Sich nicht vorbereiten» verwechselt wird, werde ich an anderer Stelle einmal ausführlicher schreiben.)

Wenn du dich richtig gut auf einen Auftritt vorbereitet hast, dann hast du die folgenden Dinge umgesetzt:

Technik & Struktur

  • Du kennst den Ablauf und die Struktur des Songs. Das bedeutet, dass du nicht weisst, wann welche Strophe kommt, sondern auch, wie der Song dramaturgisch verläuft. Wo ist der Höhepunkt, wo sind Wendepunkte, was sind die Ziele jedes einzelnen Teils?
  • Du hast den Song musikalisch und technisch so erarbeitet, dass es keine Stellen mehr darin gibt, die dich aus der Bahn werfen. Auch dann nicht, wenn genau in dem Moment jemand im Publikum hustet. 😉
  • Du bist mit dem Text vertraut. Das heisst, du verstehst ihn, und zwar nicht einfach der Spur nach, sondern ganz genau.
  • Du hast bestimmt, wie du auftrittst und wo auf der Bühne du deine Ansage machst.
  • Du hast die Ansage gelernt und geprobt.
  • Du hast alle nötigen Absprachen mit der Band getroffen über Tempo, Beginn, Ende, Übergänge etc. und diese Dinge gemeinsam geprobt, bis sie sitzen.
  • Falls du mit Mikrofon singst, hast du dich mit seinen Eigenheiten vertraut gemacht und weisst, wie du den Abstand je nach Lautstärke regulieren musst.

Interpretation

  • Du hast bestimmt, an wen du dich richtest, d.h. zu wem du den Song innerlich singst.
  • Du hast analysiert und bestimmt, welche Atmosphären, Gefühle und Absichten den verschiedenen Abschnitten des Songs zugrunde liegen.
  • Du hast auf dieser Basis deine Gänge, Gesten, Bewegungen und Blicke geprobt und fühlst dich sicher damit.
  • Du hast überprüft, ob deine musikalische und dynamische Gestaltung auch wirklich das abbildet, was du aussagen möchtest. Es ist wichtig, zu überprüfen, ob du wirklich eine eigene Wahl getroffen hast in Bezug auf die Gestaltung. Unter Umständen hast du nämlich Version von jemand anderem im Ohr, die du ohne zu hinterfragen kopierst. Kopieren ist nicht grundsätzlich falsch, aber du solltest es bewusst tun und weil es zu deiner eigenen Interpretation passt.
  • Du hast in Abstimmung mit deiner Interpretation bestimmt, was du anziehen wirst und hast in dem Outfit geprobt.

Repetition & Konzentration

  • Du hast deinen Auftritt mehrfach durchgespielt, ohne zu unterbrechen, egal was passiert ist.
  • Du hast mit Ablenkungen geübt – z.B. in einem anderen Raum als sonst, während der Fernseher läuft, währenddem du gleichzeitig etwas anderes tust.
  • Du hast – im Idealfall – die Möglichkeit gehabt, den Song auf der Bühne zu proben. Falls das nicht möglich war, hast du beim Proben zu Hause oder im Proberaum die Bühne und den Zuschauerraum visualisiert und dir genau vorgestellt, wie alles aussehen wird.

Alles kontrollieren geht nicht

Du siehst – es gibt sehr viele Dinge, die du tatsächlich selbst in der Hand hast, die du vorbereiten, die du bestimmen kannst. Und ich hab’ ganz bestimmt noch was vergessen. 😉 Einige Aspekte lassen sich natürlich nicht kontrollieren, z.B. wie das Publikum reagieren wird. Aber wenn du diejenigen Dinge, die du vorbereiten kannst, auch vorbereitet hast, dann werden dich diejenigen Dinge, auf die du keinen Einfluss nehmen kannst, auch weniger stressen. Denn du weisst genau, dass du dein Bestes gegeben hast in der Vorbereitung und du weisst auch genau, was du in jedem Moment zu tun hast. Das erzeugt sehr viel Konzentration und gleichzeitig auch Entspannung. Mit guter Vorbereitung entkräftest du den Aspekt des Lampenfiebers, der dadurch entsteht, dass du nicht sicher bist, was du tust und wie du es tust.

Extra-Tipp:

Hol dir hier meine Mini-Checkliste zum Ausdrucken, um deinen nächsten Song für die Bühne vorzubereiten.

Dein Verhalten vor dem Auftritt – Lampenfieber eingrenzen

Eine weitere Sache, die du beeinflussen kannst, ist wie du dich direkt vor dem Auftritt verhältst. Meistens ist man nicht alleine hinter der Bühne und häufig gehen andere Beteiligte anders mit dem eigenen Lampenfieber um als man selbst. Oft ist es so, dass diese Dinge unbewusst ablaufen und eine Art Hektik entsteht oder eine Übererregung mit lautem Reden und Lachen. Das verständliche, aber unbewusste Ziel davon ist, Spannung abzubauen. Ich persönlich finde es allerdings hilfreicher, mir diese Spannung zunutze zu machen, anstatt sie abzubauen, bewusst mit ihr umzugehen. Denn Spannung erzeugt auch Fokus und Konzentration. Sie zeigt mir auf, dass das was ich vorhabe, von Bedeutung für mich ist und nicht belanglos. Mein Auftritt ist für mich als Künstlerin sinnstiftend und wichtig.

Deshalb ist meine Vorgehensweise vor einem Auftritt die folgende:

  • Ich mache – wenn möglich – eine kurze Probe auf der Bühne. Nicht, um noch an irgendetwas zu feilen, sondern lediglich um mich zu orientieren. Ich will mich in dem Raum hören, sehen, wie alles aussieht, wie die Distanzen sind etc. Wenn du mit Band und Verstärkung singst, ist der Soundcheck der Moment für Orientierung.
  • Ich singe ein paar kurze Passagen, die ich nochmals «verifizieren» will. Manchmal ist das eine technisch schwierige Stelle, meistens aber schlicht der Anfang des Songs. Ich teste, ob ich das Tempo finde, wie ich die Lautstärke gerade empfinde etc.
  • Danach bereite ich alles vor, was ich für den Auftritt brauche. Kostüm, Make-up, Mikro. Währenddessen konzentriere ich mich ganz auf mich selbst und spreche nicht grossartig mit anderen. Ich konzentriere mich auf das was bevorsteht.
  • Ab und zu mache ich noch eine Atemübung, die mir hilft, meine Bauchmuskulatur zu entspannen und die Atmung zu verlangsamen und zu vertiefen. Manchmal fehlt mir aber auch die Ruhe dazu und dann konzentriere ich mich einfach darauf, was kommen wird, ohne allzu sehr darauf zu achten, wie ich mich fühle. Wenn ich mich zu sehr auf physische oder emotionale Empfindungen konzentriere, dann steigere ich mich in etwas rein, das nicht hilfreich ist. Für mich ist Konzentration auf das Tun der Schlüssel. Und das Wissen, dass das Gefühl der Nervosität erstens vorbeigeht und zweitens mir zeigt, dass das was ich vorhabe von Bedeutung ist.

Ausprobieren

Ich empfehle dir, dass du austestest, was dir persönlich gut tut. Der wichtigste Punkt dieses Abschnitts ist, dass der bewusste Umgang mit der Zeit vor dem Auftritt und das absichtliche Gestalten davon ausschlaggebend ist. Was genau du tust und was dir hilft als Ablauf, Struktur oder Ritual, ist sehr individuell. Probiere es aus. Und nimm dir das Recht heraus, anderen, die auch da sind zu sagen, dass du jetzt z.B. nicht reden willst. Oder geh nochmals eine Runde ums Haus rennen. Hör deinen Lieblingssong. Oder geh innerlich alles nochmal durch was kommen wird. Dein Ziel ist, zu bündeln, zu fokussieren, zu richten.

Deine Einstellung (Neudeutsch – «Mindset»)

Es ist in aller Munde: das «Mindset», ein totales Modewort. Im Grunde ist das nichts anderes als deine Einstellung zu dem, was du nächstens tun wirst, die Haltung, mit der du an etwas herangehst. Es ist also, zugegebenermassen, eine wichtige Sache, die gerade für Leute, die auf der Bühne stehen, einen starken Einfluss darauf hat, wie ihre Performance wirkt und wie sie sich selber wahrnehmen.

Eine grosse Komponente von Lampenfieber sind Selbstzweifel. Du denkst: Ja, ich hab mich super vorbereitet. Ja, ich weiss genau, was ich zu tun hab. Ja, ich hab mich konzentriert und bin eigentlich bereit für den Auftritt. Aber – oh Gott – werden sie mich mögen?!?!?! Ist das alles Scheisse, was ich hier mache? Hab’ ich die falschen Entscheidungen getroffen? Werde ich mich total lächerlich machen? Werden alle denken, der/die ist ja total Fake und hat ja keine Ahnung, was er/sie macht da oben.

Jaja, ich kenne diese Gedanken nur zu gut. Sie begleiten mich schon lange und immer wieder. Sie sind Teil des Prozesses. Und genau das hilft mir in dem Moment, in dem sie auftauchen. Ich sage ihnen: «Ahhhh, hallo ihr Lieben, da seid ihr ja wieder! Ok, ich hab’ euch gehört und jetzt muss ich aber weiter, denn ich hab’ hier noch was zu tun.»

Worum geht’s eigentlich?

Und dann mache ich mir klar, dass es bei diesem Auftritt nicht um mich geht.

Ich sag’ nochmal für dich: Mach dir klar, dass es NICHT UM DICH GEHT. Dein Job ist, dafür zu sorgen, dass das Publikum etwas erlebt und etwas fühlt und im besten Fall auch noch etwas denkt. ☺️ Du hast mit all deiner Expertise diesen Auftritt vorbereitet, um dem Publikum ein Erlebnis zu ermöglichen. Du hast etwas zu geben und das Publikum ist da um es von dir zu empfangen. Du hast dafür zu sorgen, dass die sich alle wohlfühlen. Sie alle sind da, um zu hören und zu sehen, was du gleich zeigen wirst.

Also gib. Und zwar mit vollen Armen und aus ganzem Herzen. Eine der wichtigsten Eigenschaften, die wir als Performer kultivieren sollten, ist Grosszügigkeit. Teile dein Können, dein Talent und deine wunderbare Kunst mit den Leuten, die ja gekommen sind, um genau das zu sehen. Was du kannst und zu geben hast, ist ein Geschenk. Wenn du mit dieser Einstellung auf die Bühne trittst, dann wird dein Auftritt auch für dich zu einem genussvollen Erlebnis. Was ist schöner, als jemanden zu beschenken und die Freude darüber mitzuerleben?

Fazit

Wie du sicher gemerkt hast, habe ich nicht darüber geschrieben, wie du dein Lampenfieber loswirst, sondern wie du damit umgehen kannst. Ich halte Lampenfieber für wichtig, denn – ich habe es bereits mehrfach gesagt – es zeigt mir, dass das was ich tue, für mich von Bedeutung ist. Ich halte es ausserdem für wichtig, dass ich regelmässig daran erinnert werde. Denn seien wir ehrlich – das Künstlerdasein ist nicht immer einfach. Oft ist es geprägt von finanziellen Engpässen. Zweifel und das ständige Hinterfragen des eigenen Tuns gehören, vielleicht mehr als in anderen Jobs, zum täglichen Brot. Da ist es doch richtig wichtig, zwischendurch wieder zu spüren, wieviel einem daran liegt.

Also: Anerkenne dein Lampenfieber als etwas mit einem wichtigen Zweck. Dass du es spürst bedeutet nicht, dass du handlungsunfähig wirst, sondern dass deine Handlungen Sinn haben.

Martina Rick, Vocal und Performance Coach, schaut im schwarz-weiss-gestreiften Shirt lächelnd aus dem offenen Fenster ihres Studios in Basel

Hey, ich bin Martina!

Als Expertin für Gesang und Schauspiel helfe ich dir dabei, dich und deine Stimme bühnenreif zu machen. Entdecke mit mir, wie du deine Auftritte stimmsicher und souverän meistern kannst.

Sänger, der mit geschlossenen Augen den Kopf leicht geneigt ins Mikrofon singt vor einer rot angeleuchteten Backsteinwand

1:1 Gesangsunterricht

Im Einzelunterricht lernst du eine gute und gesunde Gesangstechnik, um genau so zu klingen, wie du dir das wünschst. Ausserdem entdeckst und erarbeitest du mit meiner Unterstützung alle nötigen Skills, die du zum Singen auf der Bühne brauchst.

Sängerin im roten Kleid schaut lächelnd und singend ins Publikum und streckt den Arm nach vorne aus mit erhobenem Zeigefinger

Bühnen1x1 für Sänger*innen

In diesem eintägigen Workshop lernst du als ProfiSänger*in, wie du deinen Auftritt auf der Bühne richtig gut gestaltest und dich wohl und sicher fühlst. Lampenfieber? Kannst du mit umgehen. Textunsicherheiten? Gehören der Vergangenheit an. Hampelige Arme? Nie wieder.

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