FÜR DICH: Meine Checkliste "In 10 Schritten ready für die Bühne“

5 Fehler beim Singen Üben und was du stattdessen tun kannst

Junge Frau im gelben Shirt beim Singen Üben vor violettem Hintergrund

Üben ist so eine Sache, oder? Das Wort wird verwendet im Zusammenhang mit Instrumenten, schulischen Dingen oder eben auch Singen. Und oft haftet dem Begriff eine Art unangenehme Atmosphäre an. Man denkt an etwas, das man tun «muss», etwas Mühsames, eine lästige Pflicht. Dabei ist «Üben» genau dasselbe wie «Trainieren». Im Sport heisst «Üben» «Trainieren» und seltsamerweise klingt das in vielen Ohren gleich viel motivierender. Überleg dir mal, wie du auf diese beiden Worte reagierst und was sie in dir auslösen. Aber worauf will ich eigentlich hinaus? Was ich sagen will, ist, dass wir uns für unsere technische Entwicklung als Sängerinnen und Sänger einige Prinzipien aus dem Sport zunutze machen können. 5 Fehler, die wir beim Singen Üben machen, können wir nämlich ganz «sportlich» angehen.

Fehler Nr. 1: Immer das ganze Lied durchsingen

Kein Sportler käme auf die Idee, er würde schlicht dadurch besser, dass er mehrmals nacheinander ein ganzes Spiel spielt. Das macht zwar Spass, aber um technisch besser zu werden ist es total ineffizient. Wer beim Aufschlag jedes Mal den Ball ins Netz haut, tut gut daran, mal anzuschauen, wie ein Aufschlag denn eigentlich funktioniert, wie die Bewegungsabläufe sind, was direkt vorher passiert etc. Und dann wird einmal nur diese eine Komponente des Spiels trainiert.

Zerlegen in kleine Teile

Das Prinzip des Zerlegens in kleinere, leichter analysierbare Teile können wir beim Singen Üben genauso anwenden. Anstatt immer das ganze Lied durchzusingen und sich jedes Mal an der einen Stelle zu nerven, die man dann doch nochmal wiederholen muss, weil sie nicht geklappt hat, lohnt es sich doch, diese eine Stelle einfach mal isoliert anzuschauen. Analysiere ganz in Ruhe, was nötig ist, um diese eine Stelle zu meistern. Nimm dir Zeit, die einzelnen Komponenten verlangsamt und isoliert zu üben. Zerlege die Stelle in Teile, die du isoliert meistern kannst. Und dann füge sie wieder zusammen. Auf diese Weise wirst du schnellere und vor allem deutlichere Ergebnisse sehen, als wenn du einfach nur «durchsingst».

Fehler Nr. 2: Den eigenen Zustand beim Singen Üben nicht berücksichtigen

Wer verletzt ist oder eine grauenhafte Nacht hinter sich hat, wird sein Sporttraining entsprechend anpassen. Es ist ganz offensichtlich, dass die eigene Leistungsfähigkeit abhängig ist davon, wie fit und gesund man ist. Das ist auch beim Singen Üben nicht anders. Es ist wichtig, ein Gefühl dafür zu entwickeln, wo – je nach Tagesform – die eigenen Grenzen liegen. Eine meiner Gesangslehrerinnen hat einmal gesagt: Wenn du die Wahl hast zwischen Üben und Schlafen, dann geh lieber schlafen. Und sie hatte recht. Nichts ist frustrierender und ergebnisloser als in müdem Zustand Singen zu Üben. Es lohnt sich also, zu überlegen, was man wann übt.

Wie geht’s dir und was tust du wann?

Wer eine Kehlkopfentzündung hat, sollte definitiv keine Stimmübungen machen. Wer total übermüdet ist, hat wahrscheinlich auch grad nicht die Kraft für technisch anspruchsvolles Training. Aber ein sich Auseinandersetzen mit dem Text, der Struktur und der Interpretation des Songs kann in so einer Situation sinnvolles Üben sein. Atemübungen gehen auch bei Halsschmerzen. Aber eben – manchmal ist es produktiver, eine Pause einzulegen und sich die nötige Erholung zu gönnen.

Fehler Nr. 3: Ohne Ziel üben

Ein bisschen Kardio, ein bisschen Krafttraining, ein bisschen Stretching – so sehen die Fitnessprogramme im Amateurtraining aus. Das sieht vielleicht so aus, als würde man möglichst alle Bereiche abdecken und es ist sicher besser, als gar keinen Sport zu treiben und hilft, die Form zu erhalten. Um sich aber wirklich zu verbessern, bringt so ein Ablauf wenig. Deswegen trainieren Sportler gezielt um ganz bestimmte Skills zu entwickeln und zu verbessern. Aufs Singen angewendet könnte das so aussehen: Du setzt dir ein klares und überschaubares Ziel. Also nicht: In 6 Monaten will ich singen können wie Lady Gaga. 😉 Sondern: Innerhalb der nächsten drei Wochen möchte ich die Phrase «I don’t wanna be just a memory, baby» aus «Shallow» in der Originaltonart singen können. Und das führt uns gleich zum nächsten Fehler.

Fehler Nr. 4: Ohne Plan üben

Sagen wir mal, eine Tennisspielerin hat sich zum Ziel gesetzt, innerhalb der nächsten drei Wochen ihren Aufschlag so zu verbessern, dass sie ihn in 70 % der Fälle übers Netz kriegt. (Keine Ahnung, ob das realistisch ist – ich hab keine Ahnung vom Tennis! 😂) Was tut sie, um dieses Ziel zu erreichen? Sie überlegt sich, was denn dazu führt, dass der Ball übers Netz geht. Vielleicht bittet sie auch ihre Trainerin, ihr ein Programm vorzugeben, das zu diesem Ziel führt. Und genau das kannst du beim Singen Üben auch tun. Du hast dein Ziel definiert («I don’t wanna be just…») und jetzt geht es darum, zu definieren, welche Schritte zu diesem Ziel führen.

Wo liegt denn genau das Problem?

  • Erreichst du vielleicht den hohen Ton zu Beginn nicht? Dann sollte dein Übungsprogramm darauf fokussieren, deinen Tonumfang auszubauen.
  • Oder geht dir im Verlauf der Phrase die Luft aus? Dann geht es darum, das richtige Einteilen der Energie zu trainieren, evtl. in Kombination mit Entspannen beim Einatmen.
  • Vielleicht hast du Schwierigkeiten mit der Intonation und es klingt immer ein bisschen schief? Dann solltest du dir anschauen, wie du die verschiedenen Töne im Vergleich miteinander wahrnimmst in Bezug auf deinen Energieeinsatz.
  • Oder vielleicht fühlt sich das ganze einfach irgendwie verklemmt an? Dann gibt es höchstwahrscheinlich etwas am Setting und am Luftstrommanagement zu optimieren.

Du siehst schon – je nachdem, wo der Hase im Pfeffer liegt, sieht dein Trainingsplan ganz anders aus. Und es ist total wichtig, sich die Zeit zu nehmen, diese Dinge richtig zu analysieren, denn sonst übst du einfach mal ins Blaue hinaus ohne zu wissen, ob dann auch wirklich was dabei rauskommt. Und weisst du was? Vielleicht verbesserst du dich schon. Aber – und das ist ein grosses Aber – du wirst nicht wirklich das Gefühl haben, etwas geleistet zu haben. Du wirst dich für deine Verbesserung nicht verantwortlich fühlen. Sie wird nicht dazu beitragen, dass du dich kompetenter fühlst als Sänger*in. Und das nur, weil du nicht richtig festmachen kannst, wie die Verbesserung zustande gekommen ist. Ein Trainingsplan sorgt also zusätzlich dazu, dass er Resultate liefert auch noch dafür, dass du dich auch gut fühlst mit diesen Resultaten, denn du weisst genau, was du dafür getan hast.

Fehler Nr. 5: Nie anwenden

Ganz wichtig: Technik, Pläne und Training sind kein Selbstzweck. Sie dienen dazu, dass du eine künstlerische Idee umsetzen kannst, ein Publikum berührst, etwas aussagst. Deswegen ist der fünfte und fatalste Fehler derjenige, das Gelernte nie wirklich anzuwenden. Es ist sehr verführerisch, sich unter dem Deckmantel des Perfektionismus und der Selbstkritik zu verstecken und einfach immer weiter zu trainieren, ohne je zum Wettkampf anzutreten. Denn – wer weiss – vielleicht ist man ja noch nicht bereit

Ob du bereit bist, oder nicht, ist eine Entscheidung. Natürlich empfehle ich dir nicht unbedingt einen Auftritt zu machen, wenn du den Song noch nicht kannst. Aber bestimmte Dinge kann man nur in der tatsächlichen Situation üben. Jeder Sportler muss sich in der Situation erleben, wenn ihm das andere Team gegenübersteht und es ernst gilt. Wie soll er sonst mit diesen Aspekten des Spiels – Druck, Aufregung, unter Beobachtung stehen etc. umgehen lernen. Das ist beim Singen nicht anders. Dein Üben ist nicht zu Ende bis du nicht die erarbeiteten Dinge in einer realen Auftrittssituation ausprobiert und dann im Nachhinein nochmals reflektiert und vielleicht angepasst hast.

Richtig Singen Üben: Das Fazit

Hier nochmal in der Übersicht, die Dinge, die du dir fürs Singen Üben vom Sport abkucken kannst:

  • In kleine Schritte aufteilen (nicht den ganzen Song durchsingen)
  • Berücksichtigen, wie du dich fühlst (nicht zwei Stunden lang Technik üben, wenn du total K.O. bist)
  • Ziel setzen (nicht einfach «irgendwas» üben, sondern bestimmen, wo es hinführen soll)
  • Planen, was du übst (am Ziel orientierten Trainingsplan aufstellen und durcharbeiten)
  • Austesten (ab auf die Bühne mit dir)

Und wenn ich jetzt nochmals überlege, wie Üben und Trainieren eigentlich dasselbe bedeuten, dann fällt mir auch auf, wie ich die beiden Worte bisher unterschiedlich wahrgenommen habe. Üben habe ich eigentlich immer nur mit «Wiederholung» in Verbindung gebracht. Und ja klar, Wiederholung ist sehr wichtig um neue Fähigkeiten zu festigen. Das Wort «Trainieren» jedoch enthält für mich mehr Absicht, mehr Ziel, mehr Bewusstsein. Und das ist es glaube ich, worauf ich hinaus will…

Üben soll etwas Bewusstes sein, das dich weiterbringt und das du bewusst gestaltest, weil du weisst, wozu es dient. Dann sind nämlich die damit assoziierten Dinge wie «mühsam» oder «Pflicht» gar kein Ding mehr. Motivation ergibt sich aus Sinn. Wenn du die obigen fünf Prinzipien konsequent anwendest, wird dein Üben mit Sicherheit viel an Sinn gewinnen und du wirst dich mehr und mehr darauf freuen. Ich wünsche dir von Herzen viel Spass beim Üben!

Und solltest du mal hängen bleiben…

…helfe ich dir gerne weiter. Wenn du dich für 1:1 Gesangsunterricht interessierst, dann schau mal auf dieser Seite vorbei.

Martina Rick, Vocal und Performance Coach, schaut im schwarz-weiss-gestreiften Shirt lächelnd aus dem offenen Fenster ihres Studios in Basel

Hey, ich bin Martina!

Als Expertin für Gesang und Schauspiel helfe ich dir dabei, dich und deine Stimme bühnenreif zu machen. Entdecke mit mir, wie du deine Auftritte stimmsicher und souverän meistern kannst.

Sänger, der mit geschlossenen Augen den Kopf leicht geneigt ins Mikrofon singt vor einer rot angeleuchteten Backsteinwand

1:1 Gesangsunterricht

Im Einzelunterricht lernst du eine gute und gesunde Gesangstechnik, um genau so zu klingen, wie du dir das wünschst. Ausserdem entdeckst und erarbeitest du mit meiner Unterstützung alle nötigen Skills, die du zum Singen auf der Bühne brauchst.

Sängerin im roten Kleid schaut lächelnd und singend ins Publikum und streckt den Arm nach vorne aus mit erhobenem Zeigefinger

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